Scheiß Klima

Vor kurzem war UN Klimagipfel in Bonn.

Inzwischen weiß wohl jeder – außer des US Präsidenten Donald Trump – dass die Erde sich erwärmt und dass dies vor allem daran liegt, dass wir jede Menge CO2 ausstoßen.

Woher dieses CO2 kommt ist auch hinlänglich bekannt, nämlich durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, die Abholzung CO2 neutralisierender Wälder und die Fleischindustrie.

Nun treffen sich dazu die wichtigen Männer und Frauen der Welt, was ja erst einmal begrüßenswert ist, in der Rheinaue in Bonn.

Die Rheinaue – für alle Nicht-Rheinländer – ist ein Naherholungsgebiet. Dort steht erst einmal gar kein Gebäude, in dem man ein solches Event stattfinden lassen könnte. Dort gibt es vorrangig Wiesen, Seen, Tiere und Spielplätze.

Damit also großspurig über das Weltklima diskutiert werden kann, muss man in die Rheinaue erst einmal eine Location bauen.

Hier stellt sich bei mir die erste Befremdung ein und zudem die Frage, ob es denn in unserem Land nicht genug bereits bestehende Häuser gibt, in denen man eine solche Veranstaltung stattfinden lassen kann.

Aber irgendwer bei der UN oder der von der UN mit der Durchführung dieser Veranstaltung betreuten Agentur hat wahrscheinlich im Vollsuff, mindestens aber in Abwesenheit großer Teile seines Verstandes entschieden, für diese Konferenz eine Zeltstadt in die Bonner Rheinaue zu bauen.

So kann man sich dann auch direkt über die Folgen der menschlichen Dekadenz für unsere Natur informieren, allerding erst nach der Veranstaltung.

Ja, mal im Ernst, muss man denn wirklich eine Zeltstadt in ein Naherholungsgebiet bauen, damit die Köpfe und Köpfinnen der Welt über unser Klima diskutieren können?

Und schwupps sind wir bei einem Thema, dass mich als Veranstaltungstechnikerin wiederkehrend beschäftigt, nämlich der Zusammenhang des Inhaltes einer Veranstaltung und deren Ausführung.

Man muss sich nur mal angucken, was bei einer Veranstaltung im Industriesegment alles weggeworfen wird. Da werden komplette Häuser in Messehallen gebaut, richtige Häuser mit Wänden, Treppen, Glasfronten, Unterputzleitungen, Einbaulampen und Lautsprechern etc. und das wird nach der Messe alles in die Tonne gekloppt, weil es billiger ist, das neu zu kaufen als es einzulagern.

Oder wie die Crew behandelt wird. Da gibt es Welten an Unterschieden. In der Regel gibt es den Kunden, der alles darf, dann die Agenturen, dann irgendwann kommen die Techniker, dann die Helfer und ganz zum Schluss die Messebauer.

Während also die Assistentin des Vorstandsvorsitzenden, der noch gar nicht angereist ist, mit dem Service des Ritz Carlton darüber diskutiert, ob in der Suite auf dem Kaminsims ein Kerzenleuchter oder eine Blumenvase stehen soll, arbeitet der polnische Messebauer 12 Stunden hart, muss sein Feierabendbier selbst bezahlen und teilt sich das Zimmer im Ibis Budget mit seinem Kollegen.

Es ist dann kaum noch aushaltbar, wenn man auf der Veranstaltung eben jenen Vorstandsvorsitzenden über Förderung der Nachwuchskräfte reden hört gefolgt von einem teuer produzierten Imagefilm, der die soziale Verantwortung des Konzerns unterstreicht.

Aber das nur so am Rande.

Im Fall der Klimakonferenz war ich nicht direkt beteiligt, habe also keine handfesten Fakten. Was ich aber habe ist eine Meinung und Erfahrungswerte auf die sich erstere stützt.

Eine Zeltstadt im November braucht eine Heizung, denn im November ist es in Bonn kalt.

Zelte, im Gegensatz zu festen Gebäuden, besitzen nur eine geringe bis gar keine Dämmung und müssen daher stärker geheizt werden als ihre Verwandten aus Stein.

In der Rheinaue befinden sich nur in geringem Maße Stromanschlüsse, und da in den Zelten ja nicht nur der Strom für Heizungen benötigt wird (Heizen mit Strom ist im Übrigen unfassbar ergiebig) sondern wie bei allen Veranstaltungen üblich auch welcher für Video, Fernsehen, Licht, Ton und Catering, ist davon auszugehen, dass die Stromversorgung zumindest durch Generatoren ergänzt wurde, wenn sie nicht sogar hauptsächlich durch solche erfolgte.

Für alle Nicht-Stromer, so ein Generator wird mit Dieselkraftstoff betrieben, welches ein fossiler Brennstoff ist. (Spätestens jetzt habe ich den Drang, einmal bitter zu lachen…)

Man kann – zumindest nach meinem Kenntnisstand – einen Generator in dem Rahmen, wie man ihn für eine solche Veranstaltung benötigt, bislang weder mit Solarenergie, noch mit Windkraft betreiben. Er pustet also fröhlich CO2 in die Atmosphäre, während drinnen über die Erderwärmung diskutiert wird.

Da frage ich mich, wer so etwas plant und wieso sich niemand dafür schämt, dass eine solche Veranstaltung unsere Umwelt verpestet, wenn ich als völlig Unbeteiligte schon mehrfach das dringende Bedürfnis verspüre kotzen zu gehen.

Und komm mir jetzt nicht mit so Sachen wie das geht nicht anders. Bullshit ist das.

Es gibt Locations, wo der benötigte Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Diese Locations weisen im Übrigen regelmäßig eine bessere Dämmung auf als eine beknackte Zeltstadt und verbrauchen somit schon einmal gar nicht so viel Energie.

Da passen keine 22.000 Menschen rein, sagst du?

Vielleicht nicht. Vielleicht aber auch doch. Vielleicht hat man sich einfach nur nicht genug bemüht, eine solche Location zu finden.

Und warum, frage ich mich weiter, macht man, wenn man unbedingt eine Zeltstadt bauen will, eine solche Veranstaltung dann nicht im August oder im Juni, wenn man voraussichtlich weder Heizung noch Klimaanlage benötigt?

Zusätzlich haben Juni und August deutlich mehr Stunden Tageslicht, was dazu führen würde, dass die Ausleuchtung ebenfalls nicht so viel Strom verbraucht.

Da kann mir doch keiner erzählen, dass die Leute, die diese Veranstaltung geplant haben, wissen, wovon die Menschen auf der Bühne sprechen.

Wenn nicht mal die Menschen, die uns anderen als Vorbilder dienen sollten, konsequent nach ihren eigenen Überzeugungen handeln können, wie soll dann Otto Normalverbraucher verstehen, dass es scheiße ist, mit einem SUV durch die Gegend zu fahren?

Für mich ist klar, hier geht es mal wieder nur um Befindlichkeiten, Vorlieben und private Interessen einiger Weniger. Genau wie ein G20 Gipfel nicht in der Hamburger Innenstadt stattfinden muss, muss ein Klimagipfel nicht in einem Naherholungsgebiet durchgezogen werden.

Wenn Reiche Politiker über Armut in der Welt diskutieren, dazu unbedingt die ganze Elbphilharmonie mieten müssen, wenn Umweltbeauftragte Zeltstädte in Parkanlagen bauen und mit Dieselgeneratoren beheizen, dann machen sie genau eins, nämlich sich selbst und ihre Sache unglaubwürdig.

Aber das ist ja leider auch nichts Neues…

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