In oder nicht in?

Vor nicht allzu langer Zeit machte ein Freund mich aufmerksam darauf, dass ich mich wiederholt als Techniker bezeichnete, obwohl ich doch tatsächlich eine Technikerin sei.

Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

Als Frau in einer lange männerdominierten Branche ist mir das nicht mehr bewusst gewesen.

Ich denke auch, dass ich die ersten Jahre meiner Tätigkeit weitgehend damit zugebracht habe, nicht aufzufallen und nicht anders zu sein. Mich anzupassen.

Dazu gehört eben, genauso stark zu sein, genauso gut fluchen zu können, bei sexistischen Witzen einfach wegzuhören und eben auch, Techniker zu sein.

Vielleicht, weil ich mir wünschte, ich wäre dann wie meine Kollegen, vielleicht aber auch, weil meine Kollegen damals mich mit Sicherheit für ne verklemmte Feministin gehalten hätten, hätte ich darauf bestanden, Technikerin zu sein.

Es ist noch nicht so lange her, schlappe 15 Jahre, und trotzdem kommt es mir manchmal vor, als würde ich heute in einer anderen Zeit leben. In einer Zeit vielleicht, in der nur verklemmte Feministinnen darauf bestehen, so sein zu wollen, wie ihre männlichen Kollegen.

 

Ich kann das durchaus sehen.

Die jungen Typen von heute, alle so schön erzogen von Eltern, die im Grunde fast schon meine Generation sind. Die die Werte und auch die Gleichberechtigung, wenn sie Glück haben, schon vorgelebt bekommen haben. Für diese Typen muss es ja geradezu lächerlich sein, wie sehr unsereins sich bemüht, gleichberechtigt zu sein.

Und obwohl ich das durchaus sehe und die Ironie erkenne, finde ich, dass dem auch eine gewisse Arroganz zugrunde liegt und eine Ignoranz gegenüber dem, was wir – also auch ich – eigentlich auch erreicht haben.

Ich sag jetzt mal früher, auch wenn es erst 15 Jahre her ist, war es nicht selbstverständlich, dass Frauen auf einer Baustelle herumliefen. Und wenn sie es getan haben, wusste erst mal keiner so richtig etwas mit uns anzufangen.

Zum Beispiel erinnere ich mich an eine Situation, als ich noch in der Ausbildung war, wo ein Helfer mir pausenlos alles aus der Hand riss, weil er nicht wollte, dass ich irgendetwas Schweres trage, bis mein Ausbilder ihn schließlich anschrie, er solle mich endlich mal meinen Job machen lassen.

Oder später auf Tour, wenn ich in eine Halle kam und den Techniker vor Ort nach Stromanschlüssen und Ladewegen fragte und der Techniker immer an mir vorbei meinem männlichen Kollegen antwortete. Das war so regelmäßig, dass es schon ein Running Gag in der Crew war.

Oder der Hausmeister in der Messe Hannover, der mich irgendwann mal beiseite nahm und fragte, ob wir denn keine Männer in der Firma hätten, die das machen könnten.

Aber zurück zum Punkt.

Technikerin?

Vielleicht verbirgt sich hinter dem ganzen Wegkürzen auch noch etwas anderes.

Eine gewisse Müdigkeit bezüglich der Gender-Issue.

Wie oft habe ich mich auf Veranstaltungen (ganz weit vorne sind hier Parteitage) amüsiert, wie die Redner wertvolle Redezeit damit gefüllt haben, die geschätzten Genossinnen und Genossen, Zuhörerinnen und Zuhörer oder Parlamentarierinnen und Parlamentarier zu adressieren. Die FDP hat es sogar einmal fertig gebracht, die Delegiertinnen und Delegierten anzusprechen.

Das mag alles seine Berechtigung haben, wird aber in der  Realität null gelebt. Denn die Redner (nicht Rednerinnen) sind in der Regel männlich. Genau wie die Vorstands- oder Aufsichtsratsvorsitzenden.

Und jedes Jahr auf den Hauptversammlungen der großen Konzerne wird die eine mutige Dame, die dieses Thema gebetsmühlenartig auf allen HVs zum Thema macht, von Crew und Publikum verlacht, weil sie eben einfach eine untervögelte Feministin ist. Punkt.

Was nützt es ihr, wenn der Redner ihr gegenüber immer die korrekten Endungen benutzt, sie aber doch nie in den Vorstand gewählt werden wird?

Ich könnte mir vorstellen, dass mein Widerwille gegen das „–in“ daher kommt, weil es eine leere Versprechung ist. Ich möchte in meiner Realität lieber gleich behandelt werden und verzichte dafür gerne auf das „–in“.

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