Der Dialog mit dem Feind

Schlafschafe gegen Covidioten

Am Wochenende durften wir alle uns die Bilder der Hygiene-Demonstration in Berlin anschauen. Und wie immer ging daraufhin die Schlacht in den sozialen Netzwerken los.

Die einen konzentrieren sich auf den Nazisturm auf den Reichstag, die anderen behaupten, die Demonstration wäre nicht, wie in den systemgesteuerten Medien berichtet, aufgelöst worden, sondern bis in die Abendstunden weitergelaufen.

Und ebenfalls wie immer prallen diese beiden Blasen aufeinander und anstatt, dass eine Diskussion entstünde, kämpfen Schlafschafe gegen Covidioten darum, wer die ultimative Wahrheit kennt.

Ich gehöre zum Team der Schlafschafe.

In den vergangenen Monaten habe ich, wie viele andere auf beiden Seiten der Mauer, einen Prozess durchlaufen, der anfing mit einem ernst gemeinten Versuch, die „Gegenseite“ zu verstehen, über Resignation bis zu genervter Abschottung von allen, die immer noch behaupten, Corona wäre eine Grippe.

Die anfangs noch ernst gemeinten Diskussionen wurden schnell von Respektlosigkeiten gesäumt, von gehirngewaschen bis Lemming war alles dabei. Das wurde dann schnell ermüdend für alle Beteiligten und inzwischen ist der Klick auf „unfriend“ schon fast ein Reflex, der den Frieden in der eigenen Blase schnell wieder herstellt.

Zwei Dinge haben mich zum Nachdenken gebracht. Zum einen der bereits im letzten Artikel erwähnte Quiz-Typ Klussmann, der in einem Interterview erklärt, wie wichtig es ist, auch Meinungen außerhalb der eigenen Bubble anzuhören, zum anderen die schiere Zahl derer, die diese Demonstration am letzten Wochenende befürwortet haben und sich in meinem Freundeskreis befinden.

Dialog oder Streit?

Nachdem ich mich bei einer Dame beschwerte, dass sie durch meine Blockierung im sozialen Netzwerk dem Dialog aus dem Weg ginge, bekam ich zur Antwort, dass sie meinen Kommentar (sprich meine Stichelei) nicht als Aufforderung zum Dialog empfunden hätte sondern als Aufforderung zum Streit.

Und damit hat sie leider nicht ganz Unrecht.

Für mich ist es komplett unverständlich, wie jemand, der intelligent und gebildet ist, den Inhalt eines Youtube Videos über wissenschaftliche Erkenntnisse stellen kann. Aber diese Menschen sind zumindest irgendwann mal meine Freunde gewesen, sie sind also gute Leute, nette Leute. Keine Nazis oder Aluhutträger. Trotzdem ist es für sie im selben Maße unverständlich, dass ich mich von den systemgesteuerten Medien dermaßen in die Irre führen lasse und nicht sehe, wie sehr wir verarscht werden.

An dieser Stelle kann ich sogar verstehen, warum manche Menschen unseren Politikern nicht trauen und ich wünschte mir ehrlich, dass die Politiker sich diese Situation mal als Beispiel dafür nehmen würden, was passiert, wenn man die Leute belügt und verarscht. Dann glaubt einem irgendwann keiner mehr.

Doch so sehr ich den Covidioten vorwerfe, sie seien einfach nur dumm, sie sind es nicht. Und man macht es sich auch zu einfach, in dem man, wie zum Beispiel beim goldenen Aluhut, behauptet, diese Menschen seien einsam oder verunsichert. Das sind Menschen, die mit beiden Füßen fest im Leben stehen, die Ideale haben. Trotzdem glauben sie diesen – meiner Meinung nach – gequirlten Scheiß.

Andererseits wird uns, dem Team Schlafschaf, ja gerne vorgeworfen, wir würden aus Angst vor dem Virus so obrigkeitstreu handeln. Uns den Maulkorb anlegen lassen, unsere Grundrechte abgeben.

Dabei sind die wenigsten, die ich in meinem Team kenne, obrigkeitstreu. Auch haben die meisten keine Angst vor dem Virus. Ich habe durchaus Respekt vor dem Virus, aber ich verhalte mich einfach entsprechend (Maulkorb etc.), so dass ich eine Ansteckungsgefahr so weit wie möglich minimiere.

Ich habe Angst

Angst habe ich trotzdem. Große Angst. Davor, was mit uns passiert, wenn wir nicht mehr miteinander reden oder noch schlimmer, wenn wir uns gegenseitig nicht mehr zuhören. Wenn wir alle glauben, die Wahrheit zu kennen und deswegen gar nicht mehr offen sind für andere Perspektiven oder Meinungen.

Ich habe auch Angst davor, was passiert, wenn Fakten immer dann wahr sind, wenn die Mehrheit an sie glaubt und nicht, wenn sie nach wissenschaftlichen Standards erforscht und bewiesen wurden.

Ich bin nicht bereit dazu, in einen echten Diskurs zu treten mit Menschen, die meine Quellen pauschal nicht anerkennen, an meiner Meinung kein Interesse haben und meinen, sowieso im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sein.

Aber ich bin bereit, diese Menschen anzuhören. Ja, ich habe da lange drüber nachgedacht, tatsächlich sogar schlaflose Nächte gehabt. Es ist viel angenehmer, Menschen, die kompletten Schwachsinn glauben, zu beschimpfen und sich hinterher von der eigenen sozialen Blase bestätigen zu lassen, wie sehr man im Recht ist. Viel angenehmer, als sich krude Theorien, himmelschreiende „Beweise“ und das Geschwafel von Attila Hildmann anzuhören.

Aber wohin wir unterwegs sind, wenn wir nur noch ersteres tun, das will ich mir überhaupt nicht ausmalen. Und diese Menschen, die meisten davon zumindest, sind intelligente, nette, verantwortungsbewusste Menschen, die es meiner Meinung nach verdient haben, angehört zu werden. Von mir. Allerdings ohne den Anspruch, dass ich das gut heiße, was sie glauben oder tun. Und umgekehrt.

Dialog statt Spaltung

Das hat Grenzen, ganz klare Grenzen für mich, denn ich höre mir nichts über Kinderesser, Echsenmenschen oder Mikrochips und vor allem keinen rechten Scheiß an. Aber ich möchte verstehen, warum meine Freunde denken und glauben, was sie denken und glauben. Wir leben zusammen in diesem Land und es wäre besser, wir kämen zusammen klar als dass wir uns noch weiter spalten. Was dann passiert, kann man ja gerade sehr schön in den USA beobachten.

Den ersten Schritt habe ich gemacht und bin sehr glücklich über einen vorsichtigen Dialog, der da gerade in Entstehung ist. Ich kann Euch nur empfehlen, es auch mal zu versuchen. Ohne Anspruch, den anderen überzeugen zu wollen. Ich glaube wir haben total vergessen, wie das geht.

Ein Gedanke zu „Der Dialog mit dem Feind“

  1. Ich kann diese Gedanken sehr gut nachvollziehen und auch ich gehöre zum Team Schlafschafe.

    Nach der Hygienedemo in Berlin habe ich auf fb einen Kommentar einer Teilnehmerin gelesen, die sich darüber beklagte, dass es ja heute so sei: wenn man eine abweichende Meinung vertrete, würde man sofort in die Naziecke gestellt oder als Irre abgestempelt. Sie meint, daran hätten die Mainstream-Medien einen großen Anteil. Beweis dafür wären u.a. die Bilder der Reichsbürger auf der Treppe vor dem Reichstag. Andere Aspekte der Demo würden ja gar nicht gezeigt, meinte sie.

    Ich habe viele Berichte gelesen und es stimmt. In wirklich keinem Medium habe ich die entschlossenen Antimasken-Demonstranten gesehen, wie sie sich den Nazis in den Weg stellen, sie von der Treppe unseres Reichstags zerren, weil sie es nicht zulassen wollten, dass sie dermaßen instrumentalisiert werden. Ich habe sie vermisst, die Demonstranten, die, weil sie in Ihrem Anliegen ernst genommen werden möchten, diese Brut vom Platz jagt um bloß nicht mit Nazis in einen Topf geworfen zu werden.

    Dabei wäre das doch für jedes Medium DER Aufmacher gewesen. Größer als alle anderen Bilder vom Reichstag an diesem Tag: Mutige Bürger mit echten Anliegen. Und das wäre genau der Auftakt dazu gewesen diese Leute ernst zu nehmen.

    Schade. Chance vertan.

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