Brain Damage

The lunatic is in my head
The lunatic is in my head
You raise the blade, you make the change
You re-arrange me till I’m sane

Wenn ich jetzt hier so sitze und meine Mitmenschen betrachte, denke ich oft, wie verrückt wir Menschen eigentlich sind, an schädlichem Verhalten festzuhalten, uns kaputt zu machen und so vehement am Alten zu klammern, obwohl wir sehen, wie es uns fertig macht.

Vor einigen Tagen haben wir uns über die Transformation der Schlange unterhalten, die Symbolik der Häutung im Sinne von „Altes hinter sich lassen“ und sind darüber auf den Schmetterling gekommen.

Wenn man sich das mal nüchtern anguckt (und ich bin sowas von nüchtern), ist der Schmetterling ein echt krasses Wesen. Erst ist er eine Raupe, und frisst wie bekloppt, dann baut er einen Kokon und kommt als Schmetterling wieder. Aber das ist noch nicht alles. Er ist nicht nur ein komplett anderes Tier, er kann auch auf einmal fliegen.

Ich meine, stellt Euch das mal vor.

Die Metamorphose des Schmetterlings bezeichnet man in der Biologie tatsächlich als katastrophale Metamorphose. Das finde ich total passend. Damit dieser wunderschöne Schmetterling entstehen kann muss die Raupe sterben. Zwar ist das Lebewesen hinterher irgendwie immer noch dasselbe, aber viele Dinge werden in der Tat komplett erneuert.

Die Organe der Raupe werden zum Beispiel vom Schmetterling nicht mitbenutzt, sie sterben und es entstehen neue Organe. Nur wenige Prozent der Zellen der Raupe sind nachher auch noch im Schmetterling. Ein Großteil der Raupe stirbt. Wenn das mal keine Katastrophe ist.

Und damit haben die meisten von uns ein Problem. Die Dinge mögen ein wenig aus dem Ruder laufen und manchmal laufen sie vielleicht sogar extrem aus dem Ruder, aber wir machen so weiter, denn wir kennen es nicht anders.

Diesbezüglich frage ich mich im Übrigen häufig, ob die Menschen, die verrückt sind, nicht in Wirklichkeit diejenigen sind, die normal sind und umgekehrt, weil doch die Verrückten die Menschen sind, die mit der Welt nicht klarkommen. Und die Welt, mal ganz ehrlich, ist sowas von nicht in Ordnung. Die Menschen, die damit zurechtkommen, die es ertragen, dass Menschen verhungern, weil wir im Überfluss leben, dass Tiere gequält werden, damit wir Pelzmäntel tragen, dass die Natur stirbt, damit wir SUVs fahren können, dass Kinder misshandelt, Frauen vergewaltigt, Homosexuelle gesteinigt und Witwen verbrannt werden, die Menschen, die das ertragen können, die müssen doch verrückt sein. Und die, die es nicht können, die sind doch eigentlich normal, oder?

Aber das nur am Rande.

Die Dinge laufen aus dem Ruder, das steht einfach mal fest. Aber wir verändern nichts. Nicht weil wir nicht können oder nicht wollen, nicht weil wir nicht begriffen haben, dass wir es müssen, sondern weil die Veränderung an sich uns eine riesengroße Angst einjagt.

Es gibt Menschen, die lassen sich von ihrem Partner schlagen; und laufen sie weg? Nein. In der Regel nicht. Und andere Menschen opfern sich für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen auf, bis nichts mehr von ihnen übrig ist. Hören sie damit auf? In der Regel nicht. Menschen betäuben sich, kotzen sich halb tot, rennen Arschlöchern hinterher, lassen sich benutzen, und jeder checkt, dass es völlig aus dem Ruder läuft, aber ändern tun sie’s trotzdem nicht.

Und was, frage ich mich, was ist an dieser Veränderung, vor der sich alle fürchten, so viel schlimmer, als sich schlagen zu lassen, sich tot zu saufen, sich wie ein Stück Scheiße zu fühlen?

Ich krieg jetzt den Bogen, versprochen.

Der Tod, den man sterben muss. Da liegt die Angst.

Die wenigsten können eine katastrophale Metamorphose durchmachen, weil wir Menschen verlernt haben, darauf zu vertrauen, als Schmetterling aus unserem Kokon zurückzukehren. Wir sehen nur, dass die Raupe sterben muss und weil die Raupe alles ist, was wir kennen, und wir uns mit ihr identifizieren, macht uns das solche Angst, dass wir krampfhaft versuchen, weiter als Raupe zu leben.
Nichts gegen Raupen.

Insgesamt würde ich das sogar soweit reduzieren, dass das Problem, was wir haben ein Glaubensproblem ist. Wir glauben nicht an den Schmetterling. Wir glauben nicht an uns selbst. Deshalb reduzieren wir uns auf einen Bruchteil dessen, was wir eigentlich sein könnten und werden krank dabei.

Oh man, das macht mich unglaublich traurig.

Ich stelle mir nämlich grad vor, wie schön es sein könnte, wenn wir alle Schmetterlinge wären.

Meine Fresse, dann könnten wir fliegen, wie geil wär das denn bitte?!

And if the cloud bursts thunder in your ear
The shouting no-one seems to hear
And if the band you’re in starts playing different tunes
I’ll see you on the dark side of the moon

 

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